Ich weiß nicht was mit mir passiert

Mit welchen Erwartungen bin ich eigentlich gestartet. Doch keinen religiösen, das war mir klar, aber was sonst? Mir geht es ja eigentlich super und kann mich über nichts beschweren. Dennoch, der heutige Tag hat mich komplett aus meiner Rolle gebracht. Nachdem ein Teil meiner Gruppe die letzte Nacht den ein oder anderen Becher zuviel zu sich nahmen (ich war zu Müde für eine Kneipentour), war der Morgen von schlaffen Gesichtern und Katern geprägt, zudem mussten wir uns von unserem Freund Jay aus England verabschieden, der seinen Heimreise bereits antrat.

 

So starteten wir als eine Gruppe um Logrono zu verlassen, hielten aber zuvor bei einer Kirche, um diese von innen zu betrachten. Da traf es mich, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, eine Mischung aus Trauer und Beklommenheit. Jeder aus unserer Gruppe hatte an diesem Ort innegehalten. So hatte man ab hier das Gefühl gehabt mal wieder Zeit für sich zu benötigen und so verließen wir diesen Ort nacheinander um den Jakobsweg für sich zu gehen. Bis auf ein paar kurze Treffen mit anderern Pilgern hatte ich auch nicht das große Bedürfnis mich auszutauschen, und lies gerne einen größeren Abstand zwischen mir und dem nächsten Pilger, bis ich in Nafarette ankam und beschloss auf Dariu´sh zu warten um gemeinsam eine Herberge zu finden.

 

Nach dem obligatorischen Pilgermenü mit dem versalzenen Salat und Fleisch, der Koch muss eindeutig verliebt gewesen sein, hatte ich das Bedürfnis die Abendmesse zu besuchen.

 

Ich dachte nach dem morgigen Eindruck würde es den Tag passend abrunden. In der Kirche angekommen startete gerade der Gottesdienst. Natürlich auf spanisch, aber der Ablauf kannte ich als katholik bereits und so musste ich öfters mit meinen Gedanken abschweifen. Nicht wie am Morgen, eher von den Massen an Gold das hier verbaut worden war. Ob dass, das Gold der Mayas und Inkas war, dass die Spanier in Massen nach Europa verschifft wurde.. Keine Ahnung aber ich fand es eher anstößig als schön. Zum Ende der Messe wurde noch auf uns Pilger aufmerksamgemacht, die den Gottesdienst besuchten und segnete unsere Reise.

 

Dieser Tag hatte mir viel zu denken gegeben und auch im Bett lies es mich nicht sofort los.

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Kommentare: 1
  • #1

    Oma und Opa (Sonntag, 02 April 2017 15:59)

    Hallo lieber Michel
    Deine Berichte über die vergangenen Tage sind voller Erlebnisse. Die Wanderung auf dem Jakobsweg steckt doch voller Ereignissen und Geheimnissen die man sich vorher nicht vorstellen konnte. Sei es der Zufall mit dem Arzt oder dem Prunk in der Kirche. Wichtig war aber auch, dass wenn jemand in Not gerät wie Du selbst schon erlebt hast, die Gemeinschaft zusammen hält und jeder sogut wie er kann Hilfe leistet. Nach dem Motto - Einer für Alle und Alle für Einen -.

    Für Deinen weiteren Weg wünschen wir Dir noch viele und hoffentlich nur schöne Erlebnisse.
    Viele Grüße Oma Roswitha und Opa Arthur